Draußen beginnt echte Veränderung

Denn wir können nicht immer entscheiden, was uns widerfährt. Wir können jedoch entscheiden, wie wir damit umgehen. Wir können entscheiden, ob wir in unserem Schmerz stehen bleiben oder ob wir bereit sind, ihm einen Platz in unserem Leben zu geben und dennoch weiterzugehen.

Wenn Menschen von Selbstführung sprechen, denke ich oft, dass viele gar nicht wissen, was damit wirklich gemeint ist. Für mich hat Selbstführung wenig mit Motivation, Disziplin oder positiven Gedanken zu tun. Selbstführung beginnt dort, wo das Leben uns herausfordert. Dort, wo wir mit Dingen konfrontiert werden, die wir uns niemals ausgesucht hätten.

Ich schreibe über Dinge, die ich kenne. Nicht über Theorien. Nicht über Konzepte aus Büchern. Sondern über Erfahrungen, die mein Leben verändert haben.

Es gab Zeiten, in denen ich geglaubt habe, mein Leben würde nie wieder so werden wie früher. Zeiten voller Schmerz, Verlust und Fragen, auf die es keine Antworten gab. Zeiten, in denen ich mich selbst nicht mehr erkannt habe.

Wenn ich heute zurückblicke, kann ich ehrlich sagen: Die schwersten Kapitel meines Lebens haben mich nicht stärker gemacht. Sie haben mich gebrochen. Sie haben mich innerlich zerstört.

Und wenn ich noch ehrlicher bin, dann hatte ich mit einem Gedanken von damals recht.

Mein Leben wurde nie wieder so wie früher.

Damals war das meine größte Angst.

Heute ist es eine meiner größten Erkenntnisse.

Lange Zeit wollte ich zurück. Zur alten Sicherheit. Zum vertrauten Leben. Zu dem Menschen, der ich einmal war. Ich wollte verstehen, warum all das passiert ist. Ich wollte festhalten, was längst nicht mehr festzuhalten war.

Irgendwann wurde mir jedoch klar, dass manche Erfahrungen uns so tief verändern, dass ein Zurück nicht mehr möglich ist. Manche Kapitel enden endgültig. Manche Verluste begleiten uns ein Leben lang. Manche Wunden schließen sich, dennoch bleiben ihre Narben sichtbar.

Und genau dort begann etwas, das ich damals noch nicht sehen konnte.

Anders bedeutet nicht schlechter.

Mein Leben wurde nicht wieder wie früher.

Es wurde anders.

Vielmehr hat es eine Tiefe bekommen, die ich vorher nicht kannte.

Ich sehe die Welt heute mit anderen Augen. Ich nehme Menschen anders wahr. Ich höre genauer hin. Ich erkenne Schmerz oft dort, wo andere ihn übersehen. Gleichzeitig erkenne ich auch die Stärke, die in Menschen steckt, wenn sie selbst längst nicht mehr an sie glauben.

Viele Menschen sprechen davon, an Krisen zu wachsen. Was dabei oft vergessen wird, ist die Zeit davor. Die Zeit, in der man nicht wächst. Die Zeit, in der man nicht stark ist. Die Zeit, in der man einfach nur versucht zu überleben.

Die Zeit, in der man morgens aufwacht und nicht weiß, wie man den Tag schaffen soll.

Genau dort habe ich verstanden, was Selbstführung für mich wirklich bedeutet.

Nicht stark zu sein.

Nicht alles im Griff zu haben.

Nicht immer zu wissen, wie es weitergeht.

Vielmehr weiterzugehen, obwohl man keine Antworten hat.

Einen Schritt nach dem anderen.

Manchmal nur einen Atemzug nach dem nächsten.

Denn wir können nicht immer entscheiden, was uns widerfährt. Wir können jedoch entscheiden, wie wir damit umgehen. Wir können entscheiden, ob wir in unserem Schmerz stehen bleiben oder ob wir bereit sind, ihm einen Platz in unserem Leben zu geben und dennoch weiterzugehen.

Für mich begann Veränderung nicht in den Momenten, in denen alles leicht war. Sie begann in den Momenten, in denen ich gezwungen war, mich selbst neu kennenzulernen. Als ich akzeptieren musste, dass manches nie wieder so sein würde wie früher. Als ich aufhören durfte, gegen die Realität anzukämpfen und beginnen konnte, sie anzunehmen.

Dabei habe ich etwas Entscheidendes gelernt.

Man setzt sich nach schweren Zeiten nicht wieder genauso zusammen wie vorher.

Man wird nicht wieder der Mensch, der man einmal war.

Vielleicht ist genau das der Sinn.

Die Narben bleiben. Die Erinnerungen bleiben. Die Erfahrungen bleiben. Dennoch entsteht aus all diesen Bruchstücken etwas Neues. Nicht der Mensch von früher.

 

Vielmehr der Mensch, der durch all das hindurchgehen musste.

Der Mensch, der gefallen ist.

Der Mensch, der gezweifelt hat.

Der Mensch, der geweint hat.

Und dennoch weitergegangen ist.

Heute weiß ich, dass Selbstführung nicht bedeutet, niemals zu fallen. Selbstführung bedeutet, sich selbst auch dann die Hand zu reichen, wenn man am Boden liegt. Es bedeutet, Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen, obwohl das Leben manchmal alles auf den Kopf stellt. Es bedeutet, immer wieder aufzustehen, selbst wenn man den Weg noch nicht erkennen kann.

Vielleicht beginnt genau dort echte Veränderung.

Nicht in der Komfortzone.

Nicht in den einfachen Zeiten.

Sondern in den Momenten, in denen wir lernen, uns nach einem inneren Zusammenbruch wieder Stück für Stück zusammenzusetzen.

Anders als vorher.

Und vielleicht näher bei uns selbst als jemals zuvor.

Mein Leben wurde nie wieder so wie früher.

Heute bin ich dankbar dafür.

Marcus ❤️

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